Red Teaming Deep Dive: Physical Pentest. Wie gut ist Ihr Unternehmen gegen reale Angriffe geschützt?

19. März 2026

Als Sicherheitsverantwortliche*r schützen Sie täglich Ihre Systeme und Prozesse und investieren in Awareness-Trainings. Die Praxis zeigt jedoch, dass physische Angriffe ein oft unterschätzter Angriffsvektor sind. Angreifer kombinieren digitale und physische Methoden. Hier setzt Red Teaming an: Sicherheit wird nicht getrennt betrachtet, sondern aus der Sicht eines realen Angreifers analysiert.

Physical Pentests sind dabei ein zentraler Bestandteil, weil sie zeigen, wie physische Schwachstellen digitale Schutzmaßnahmen aushebeln können. Denn manchmal genügen wenige unachtsame Sekunden an einem Gebäudeeingang, um zentrale Schutzmechanismen zu umgehen. Unser Kollege Tim Wörner, usd Managing Security Consultant und Red Team Lead, zeigt auf, wie Physical Pentests im Rahmen von Red Teaming reale Risiken sichtbar machen und wo Sie Ihre Schutzmaßnahmen gezielt weiterentwickeln können.

Was ist ein Physical Pentest?

Ein Physical Pentest ist eine realistische Sicherheitsüberprüfung Ihrer physischen Infrastruktur. Dabei versuchen unsere Security Analyst*innen unter klar definierten Bedingungen, in besonders schützenswerte Bereiche vorzudringen, etwa Serverräume, Forschungslabore oder Büros mit kritischer Infrastruktur. Im Kontext eines Red Teamings ist der Physical Pentest kein isolierter Test, sondern Teil einer übergreifenden Angriffssimulation. Ziel ist es, reale Angriffspfade über physische Einstiegspunkte hinweg bis in digitale Systeme und sensible Prozesse sichtbar zu machen.

Während klassische Pentests einzelne Systeme oder Komponenten prüfen, betrachtet Red Teaming das Zusammenspiel aller Sicherheitsdimensionen. Der Physical Pentest liefert dabei die entscheidende Perspektive auf reale Einstiegsmöglichkeiten, die in technischen Tests oft unentdeckt bleiben.

Welche häufigen Schwachstellen decken Physical Pentests auf?

Viele Unternehmen verlassen sich auf Prozesse, Zugangskontrollen und etablierte Routinen. Doch unsere Erfahrungen zeigen regelmäßig, dass physische Schwachstellen leicht übersehbar, schnell nutzbar und besonders wirkungsvoll sind. Die häufigsten Schwachstellen, die wir bei unseren Physical Pentests sehen:

Empfangs‑ und Zugangsbereiche

  • Tailgaiting, also das Mitgehen hinter Mitarbeiter*innen
  • Höflichkeitsverhalten mit Folgen („Ich halte Ihnen gerade die Tür auf“)
  • Unklare Verantwortlichkeiten im Besucherprozess

Server‑ und Technikräume

  • Veraltete oder unzureichende Schlösser
  • Gemeinsame oder schlecht dokumentierte Schlüsselverwaltung
  • Offene Türen bei Wartungsarbeiten

Identitäts‑ und Ausweiskontrollen

  • Kopierbare RFID‑Badges
  • „Besucherkarten“, die unkritisch ausgehändigt werden

Menschliche Faktoren

  • Stress, Routine, Überlastung
  • Mangelnde Sensibilisierung im physischen Bereich
  • Vertrauen in bekannte Gesichter oder plausible Rollenbilder

Beim Red Teaming zeigt sich immer wieder: Es sind selten einzelne Lücken, sondern die Kombination aus Technik, Prozessen und menschlichem Verhalten, die erfolgreiche Angriffe ermöglicht. Genau diese Wechselwirkungen macht ein Physical Pentest sichtbar.

Wie läuft ein Physical Pentest ab?

Ein Physical Pentest folgt einem strukturierten, transparenten und risikoorientierten Vorgehen, das klar definierte Schritte umfasst. Zu Beginn erfolgt ein Kick‑off, in dem die Threat Perspective, das Angreifermodell und der genaue Scope festgelegt werden. Darauf folgt die Phase der Reconnaissance und Informationsgewinnung, in der Umgebung, Abläufe und potenzielle Angriffsflächen systematisch analysiert werden. Auf dieser Basis werden mögliche Angriffspfade modelliert, die realistisch abbilden, wie ein echter Angreifer vorgehen würde. Dieses Vorgehen folgt der Logik eines Red Teamings: Wir denken nicht in Einzelschwachstellen, sondern in realistischen Angriffspfaden und prüfen, wie weit ein Angreifer tatsächlich kommen würde.

Anschließend startet der operative Teil: Eindringversuche, die Methoden wie Social Engineering, physische Zugangsversuche oder das Umgehen von Zutrittsmechanismen beinhalten. Ziel ist es nicht, rein theoretische Schwachstellen zu sammeln, sondern die tatsächliche Durchführbarkeit realer Angriffsszenarien zu prüfen. Alle Beobachtungen und Ergebnisse dokumentieren wir im Anschluss präzise und nachvollziehbar. Sämtliche Handlungen halten wir so fest, dass sie im Nachhinein mindestens minutengenau nachverfolgt werden können. In einem gemeinsamen Debriefing‑Workshop werten wir die Erkenntnisse strukturiert aus und leiten konkrete Maßnahmen ab, mit denen Sie Ihre Schutzmaßnahmen gezielt weiterentwickeln können.

Wie stärkt ein Physical Pentest Ihre Sicherheitsstrategie?

Als Teil des Red Teamings ist ein Physical Pentest weit mehr als das Testen einer Tür oder eines Schlosses. Er bietet einen ganzheitlichen Blick auf Ihre Sicherheitsarchitektur und zeigt, wie gut Technik, Prozesse und Menschen unter realen Bedingungen zusammenwirken. Das Ergebnis ist kein theoretischer Bericht, sondern eine fundierte Entscheidungsgrundlage, um Ihr Sicherheitsniveau gezielt weiterzuentwickeln. Ein Physical Pentest macht echte Schwachstellen dort sichtbar, wo sie im Alltag entstehen, und ermöglicht es Ihnen, Prioritäten klar zu setzen.

Die wichtigsten Vorteile im Überblick:

  • Realitätsnahe Einblicke: Sie sehen, wie sich Ihre Sicherheitsmaßnahmen unter echten Bedingungen verhalten und nicht nur auf dem Papier.
  • Klare Entscheidungsgrundlage: Sie erkennen, welche Maßnahmen bereits gut funktionieren und an welchen Stellen kleine Lücken große Risiken verursachen können.
  • Stärkung der Sicherheitskultur: Reale Szenarien machen Risiken greifbar und erhöhen die Wirkung von Awareness‑Trainings im gesamten Unternehmen.
  • Bessere Verzahnung von physischer und digitaler Sicherheit: Physische Schwachstellen sind oft der Einstiegspunkt für weiterführende Cyberangriffe. Ein Physical Pentest schließt genau diese Lücke.
  • Ganzheitliche Angreiferperspektive: Sie erhalten nicht nur Einzelbefunde, sondern ein realistisches Bild davon, wie ein Angreifer physische Schwächen nutzt, um weitergehende Ziele zu erreichen.

Wann ist ein Physical Pentest besonders sinnvoll?

Wir empfehlen einen Physical Pentest immer dann, wenn sich Ihr Sicherheitsumfeld verändert oder Sie prüfen möchten, wie wirksam bestehende Schutzmaßnahmen im Alltag tatsächlich sind. Besonders sinnvoll ist er bei neuen Standorten oder umfassenden Änderungen an Zutritts‑ und Sicherheitskonzepten. Auch rund um Awareness‑Initiativen liefert er wertvolle Erkenntnisse darüber, wie gut Trainingsinhalte im Alltag umgesetzt werden. Wenn ein Verdacht auf Social‑Engineering‑Aktivitäten besteht oder Sie Sicherheitsprüfungen regelmäßig als Teil Ihrer Governance durchführen, bietet ein Physical Pentest eine verlässliche Grundlage, um Risiken frühzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern.

Fazit

Als Teil eines Red Team Assessments zeigt ein Physical Pentest, wie widerstandsfähig Ihr Unternehmen unter realen Bedingungen tatsächlich ist. Er schafft Orientierung, priorisiert Risiken entlang realer Angriffspfade und unterstützt die nachhaltige Weiterentwicklung Ihrer gesamten Sicherheitsarchitektur.

Sie möchten Physical Pentests sinnvoll in Ihr Red Teaming integrieren oder stehen noch am Anfang? Kontaktieren Sie uns. Gemeinsam entwickeln wir einen passenden Ansatz.

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